Die deutschen Steuerpflichtigen kennen in ihrem Steuersystem im Bereich der Einkommensteuer das sogenannte „Veranlagungsverfahren“ mit unterschiedlichen „Veranlagungsarten“. Vereinfacht gesagt wird man – wenn man es aus spanischer Sicht betrachtet – vom Finanzamt aufgefordert, gewisse Steuererklärungen einzureichen. Man wird auf Fristen hingewiesen und kann u.U. auch Fristverlängerungen beantragen, die in der Regel bei einer entsprechenden Begründung auch gewährt werden. Hat man dann die entsprechenden Steuererklärungen beim Finanzamt eingereicht, erhält man nach einer bestimmten Frist einen entsprechenden Steuerbescheid. Durch den Steuerbescheid wird man zu einer bestimmten Steuerzahlung zu einem definierten Datum aufgefordert. Weiterhin besteht die Möglichkeit, gegen diesen Steuerbescheid Einspruch einzulegen. Beantragt man gleichzeitig die „Aussetzung der Vollziehung“ des strittigen Steuerbetrages, wird dieser in der Regel bis zur Entscheidung über den Einspruch gestundet.

Diese Verfahrensabläufe sind einem spanischen Steuerpflichtigen völlig fremd. Die Steuerpflichtigen in Spanien – ob spanischer Resident oder Nichtresident – müssen die notwendigen Steuererklärungen im Rahmen der Selbstversteuerung („autoliquidacion“) abgeben. D.h., der Steuerpflichtige hat folgende Aufgaben selbst zu erledigen:

  • Er muss selbst ermitteln, welche Steuererklärungen beim Finanzamt einzureichen sind. Bei knapp einhundert möglichen unterschiedlichen Steuererklärungen ist das bestimmt keine leichte Aufgabe.
  • Er hat die Steuerklärung selbst zu erstellen oder erstellen zu lassen und auch auf die Fristen zur Abgabe zu achten. Fristverlängerungsmöglichkeiten, um die Steuererklärung zu einem späteren Zeitpunkt einzureichen, gibt es nicht.
  • Zeitgleich mit der Einreichung der Erklärung beim Finanzamt ist die zuvor selbst auszurechnende Steuerlast an das Finanzamt zu zahlen.

Der Steuerpflichtige erhält keinen Steuerbescheid oder eine wie auch immer geartete Mitteilung des Finanzamtes über die Abgabe der eingereichten Erklärung oder die Zahlung der Steuerbeträge. Als Beweis für die Einreichung der Erklärung gibt es den elektronischen „Einreichungsnachweis“ und die „Zahlbestätigung“ der Bank. Diese Belege sollte man zwingend aufbewahren.

Wenn sich der Steuerpflichtige zu einem Einspruchsverfahren entscheiden sollte, gibt es keine Möglichkeit, den strittigen Steuerbetrag bis zur Entscheidung über den Einspruch zu stunden. Die Steuer ist auf alle Fälle zu zahlen und wird dann bei einem gewonnenen Verfahren inkl. gesetzlich vorgeschriebener Zinsen an den Steuerpflichtigen ausgezahlt.