Gestaltungsempfehlung

Die wichtigsten Inhalte in Kürze. Allgemein empfehlen wir, frühzeitig eine kompetente Beratung einzuholen, um Fallstricke zu vermeiden

1. Die spanische Erbschaft- und Schenkungsteuer ist in wichtigen Bestandteilen anders geregelt als in Deutschland. Auch sind zum Teil eklatante Unterschiede zwischen den Bestimmungen der einzelnen Regionen zu beachten. Dies gilt nicht nur für das Steuerrecht – einige Regionen haben auch ihr eigenes Erbrecht.

2. Jede Nachlassregelung sollte unter steuerlichen Aspekten geprüft werden. Dies gilt auch und speziell für grenzübergreifende Erbfälle.

3. Spanische Residenten mit deutscher Staatsangehörigkeit können zwischen dem spanischen und dem deutschen Erbrecht wählen und sollten sich zu den Auswirkungen beraten lassen.

4. Für Residenten von Mallorca, Ibiza und Formentera kann der Nachfolgepakt (Erbschaft zu Lebzeiten) eine interessante Option sein, um Steuern zu sparen. Allerdings ist in absehbarer Zeit mit einer Gesetzesänderung zu rechnen, die diesem Steuersparmodell einiges von seinem Charme nehmen wird.

5. Nichtresidenten werden im Erbfall für das gesamte Nachlassvermögen in Spanien steuerpflichtig. Dasselbe gilt für Schenkungen, bei denen zudem die steuerlichen Auswirkungen für den Schenker zu berücksichtigen sind.
6. Spanien und Deutschland stufen Geldvermögen unterschiedlich ein. Dies bedingt einerseits die Gefahr einer effektiven doppelten Besteuerung im Erbfall, eröffnet jedoch andererseits im Fall einer Schenkung die Möglichkeit der Vermeidung von Schenkungsteuer in Spanien.

Bei mehreren Schenkungen ist auf die Drei-Jahres-Frist zu achten, da der Schenkungsteuersatz anhand des Gesamtumfangs aller innerhalb dieses Zeitraums vorgenommenen Schenkungen zwischen denselben Personen ermittelt wird.

7. Zu empfehlen ist eine Beratung im Vorfeld eines Immobilienerwerbs in Spanien, da die Eigentumsstruktur erhebliche Auswirkungen auf die Steuerbelastung im Fall einer Übertragung durch Erbschaft oder Schenkung haben kann.

Bei grenzüberschreitenden Vorgängen darf sich die steuerliche Analyse nicht auf Spanien beschränken, sondern muss gesamthaft erfolgen, d.h. unter Berücksichtigung der deutschen Steuerfolgen.Dabei ist insbesondere zu beachten, dass unter bestimmten Bedingungen auch Personen, die nicht in Deutschland ansässig sind, für das gesamte Nachlassvermögen in Deutschland Steuern bezahlen müssen.

8. Die Komplexität grenzübergreifender Erbschaften und Schenkungen lässt es ratsam erscheinen, in beiden Ländern Berater zu beauftragen, die gut miteinander kommunizieren können.

Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer - zwei Gesetze

Um eine spanische Besonderheit vorwegzunehmen: Erbschaft und Schenkung werden in Spanien unterschiedlich behandelt.

Im Folgenden bieten wir einen Überblick über die Funktionsweise dieser Steuerarten und die formellen Abläufe. Auch vermitteln wir Ideen, wie mit frühzeitiger Planung und Gestaltung Erbschaft- und Schenkungsteuer gespart werden kann. In jedem Fall handelt es sich um eine Darstellung der aus unserer Praxiserfahrung wichtigsten Aspekte, jedoch nicht um eine vollständige Aufstellung. Dafür ist die Thematik zu komplex und vielschichtig.

Aufgrund der zuweilen erheblichen regionalen Unterschiede legen wir den Fokus auf die Balearen. Dabei ist zu beachten, dass in einigen spanischen Regionen wie z.B. Andalusien einschneidende Verbesserungen für die Steuerpflichtigen eingeführt wurden.

Auf den Balearen ist die Situation seit der Reform von 2016 unverändert. Für die absehbare Zukunft sind jedoch Veränderungen weder auf staatlicher noch auf regionaler Ebene auszuschließen: Erst im November 2018 unternahm die neokonservative Formation Ciudadanos einen Vorstoß im Parlament in Madrid mit dem Ziel, die Steuer auf Erbschaften durch die nächsten Angehörigen landesweit komplett abzuschaffen. Als Motiv wurde vorgebracht, dass die eklatante Ungleichbehandlung der spanischen Bürger gemäß ihrer Wohnsitzregion nicht hingenommen werden könne.

Jedoch würde eine spanienweit einheitliche Regelung die Kompetenzen der Regionen einschränken und etwas anderes als erbitterten Widerstand dagegen kann man sich als aufmerksamer Beobachter der spanischen Inlandspolitik nur schwer vorstellen.

Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer - Unterschiede zu Deutschland

Die erwähnten weit reichenden Gesetzgebungskompetenzen der regionalen Regierungen haben nicht nur für deren Bewohner Konsequenzen, sondern seit 2015 auch für Nichtresidenten, die seither unter bestimmten Bedingungen für das regionale Steuerrecht optieren können.

Die wichtigsten gemeinsamen Merkmale der Erbschaft- und Schenkungsteuer aller Regionen betreffen die Besteuerung des Wertzuwachses eines übertragenen Vermögenselements. Bei der Erbschaftsteuer verzichtet der spanische Staat ausdrücklich auf die Besteuerung dieses Wertzuwachses – die so genannte „plusvalía del muerto“ (sinngemäß: Gewinn des Toten). Das bedeutet, dass sich mit dem „impuesto de sucesiones“ die Besteuerung des Vorgangs erledigt hat und der Erbe den zu Zwecken der Erbschaftsteuer ermittelten und angegebenen Verkehrswert bei der Berechnung des steuerlichen Gewinns im Fall des Verkaufs als Anschaffungswert ansetzen kann. Dies kann z.B. bei Immobilien oder Gesellschaftsanteilen erhebliche steuerliche Auswirkungen haben.

Hingegen löst ein Schenkungsvorgang beim Schenker Einkommensteuer aus, wenn das geschenkte Gut zwischen Erwerb und kostenloser Weitergabe eine Wertsteigerung erfahren hat. Diese Regelung stößt gemeinhin auf Unverständnis, weil eine Schenkung keinen Liquiditätszufluss zur Folge hat und die Besteuerung auf Seiten des Schenkers dennoch genau dieselbe ist, als hätte ein Verkauf stattgefunden.

Weitere Besonderheiten sind sehr geringe allgemeine Freibeträge (Erbschaftsteuer) oder gar keine (Schenkungsteuer) sowie Multiplikationskoeffizienten, die unter ungünstigen Bedingungen zu einer Gesamtsteuerlast von 70 Prozent oder mehr führen können.

Andererseits sieht das balearische Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht besonders günstige Steuersätze für direkte Angehörige der auf- und absteigenden Linie sowie Ehepartner vor (Verwandtschaftsgruppen I und II). Als weitere Besonderheit sind diese günstigeren Erbschaftsteuersätze in einer progressiven Tabelle festgelegt und unterliegen dem Multiplikationskoeffizient für Vorvermögen, während der begünstigte Schenkungsteuersatz eine unbewegliche, fixe Größe darstellt.

Zu erwähnen ist schließlich eine Sonderform der Übertragung, die als „Erbschaft zu Lebzeiten“ bezeichnet werden kann, der so genannte „Pacto Sucesorio“ (Nachfolgepakt). Dieser ist allerdings nur in wenigen spanischen Regionen vorgesehen. Da drei der vier Balearen-Inseln zu diesen Regionen gehören, widmen wir dem Thema ein eigenes Kapitel.

Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer - Unterschiede zu Spanien

Hier sollen nur beispielhaft zwei Besonderheiten erwähnt werden, um zu illustrieren, wie unterschiedlich die Erbschaftsteuer in den beiden Ländern geregelt ist.
Die wohl herausragendste Eigenheit des deutschen Erbschaftsteuerrechts ist die erweiterte unbeschränkte Steuerpflicht, die dazu führen kann, dass ein im Ausland ansässiger Erbe unabhängig von der Belegenheit (d.h. vom Standort) des Nachlassvermögens und trotz Ansässigkeit im Ausland in beiden Ländern das gesamte Erbe versteuern muss (siehe dazu Punkt 4.1).

Aus spanischer Sicht ist bemerkenswert, dass in Deutschland der Wertzuwachs eines geerbten Gutes von den Erben zu versteuern ist. Im Erbfall müssen sie die ursprünglichen Anschaffungskosten vom Erblasser übernehmen und diese im Fall eines Verkaufs in der Zukunft als Grundlage für die Berechnung ihres steuerlichen Gewinns heranziehen („Fußstapfen-Theorie“).

Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer: Unterschiedliche Verjährungsfristen

Strafenregelungen: Für Erbschaft und Schenkung gelten die Bestimmungen des allgemeinen Steuergesetzes. Nacherklärungen aus eigener Initiative kommen günstiger

Unterschiedliche Verjährungsnormen
Die Erbschaftsteuer verjährt vier Jahre nach dem Ende der Deklarationsfrist, d.h. effektiv viereinhalb Jahre nach dem Todeszeitpunkt. Anders verhält es sich mit der Schenkungsteuer. Diese verjährt zwar ebenfalls vier Jahre nach dem Ende der Deklarationspflicht, doch die Verjährungsuhr beginnt nicht mit dem Zeitpunkt der Schenkung zu ticken, sondern erst zu dem Moment, da eine spanische Behörde vom Schenkungsvorgang Kenntnis erlangt.

Beispiel: Ein spanischer Resident erhält im Ausland eine Immobilie geschenkt und behält diesen Umstand für sich (mit den entsprechenden weiteren Risiken im Hinblick auf die Einkommen- und Vermögensteuer sowie die Auslandsvermögenserklärung „Modelo 720“).

Solange keine spanische Behörde davon Kenntnis erlangt, bleibt der Vorgang steuerlich latent. Ab dem Zeitpunkt, da die Schenkung amtlich bekannt wird, hat das Finanzamt vier Jahre Zeit, um dem Betreffenden auf die Finger zu klopfen und eine Nachzahlung der Schenkungsteuer zu fordern.

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, wann genau die Behörden als verständigt gelten. Mehrere verbindliche Auskünfte zu diesem Thema stellen fest, dass ein Dokument über die Schenkung in einem öffentlichen Register eingeschrieben oder aufgenommen oder aber einem Beamten der öffentlichen Verwaltung im Rahmen seiner Amtstätigkeit übergeben werden muss. Es reicht also z.B. nicht aus, die im Ausland per Schenkung erhaltene Immobilie in der Auslandsvermögenserklärung oder der Vermögensteuererklärung zu deklarieren, um die Verjährungsuhr in Gang zu setzen, da die Schenkung als solche mit diesem Akt nicht offiziell mitgeteilt und auch kein entsprechendes Dokument übergeben wird.

Säumniszuschläge, Strafen und Zinsen
Anzuwenden sind die Strafregelungen des allgemeinen Steuergesetzes. Zu unterscheiden ist zwischen einer freiwilligen Nacherklärung oder berichtigenden Erklärung außerhalb der regulären Frist einerseits (das spanische Äquivalent zur „Selbstanzeige“) und andererseits einem vom Finanzamt in Gang gesetzten Verfahren.

Im erstgenannten Fall wird nach Maßgabe der Fristüberschreitung ein Säumniszuschlag gemäß der folgenden Tabelle fällig. In der Praxis verringert sich der Säumniszuschlag unter leicht erfüllbaren Bedingungen um 25 Prozent, daher der in Klammer genannte Prozentsatz.

Ab einer Fristüberschreitung von einem Jahr wird darüber hinaus ein tagesgenau ermittelter Säumniszins gemäß dem offiziellen Zinssatz berechnet (für 2019: 3,75 % p.a.).

Anders stellt sich die Situation dar, wenn der Steuerpflichtige nicht selbst die Initiative ergreift, sondern das Finanzamt feststellt, dass eine fällige Erbschaft- oder Schenkungsteuererklärung nicht eingereicht wurde oder inkorrekte Angaben enthält. Verhängt werden dann Strafen von 50 bis 150 Prozent auf den säumigen Betrag. Diese Strafzahlung kann sich in der Praxis unter günstigen Voraussetzungen auf 26,25 bis 78,75 Prozent verringern. Ebenfalls fällig werden Säumniszinsen, die jedoch anders als bei der freiwilligen Nacherklärung bereits ab dem Ende der Einreichungsfrist berechnet werden.

Die Schwelle zum strafrechtrechtlichen Steuerdelikt wird in Spanien erst ab 120.000 Euro Differenz- oder Schadensbetrag pro Jahr und pro Steuerart überschritten.

Verspätung ab Ende Einreichungsfrist Säumniszuschlag % von Steuer- oder Differenzbetrag
1. bis 3. Monat 5 % (3,75 %)
4. bis 6. Monat 10 % (7,50 %)
7. bis 12. Monat 15 % (11,25 %)
Danach 20 % (15,00 %)